Sacco

Sacco

Non-poltrona (Nicht-Sessel) nennen ihn seine Erfinder. "Auch wenn wir selber ebenfalls nicht von der Bezeichnung "Sessel" überzeugt sind - wem es gefällt den Sacco Sessel zu nennen, der soll es tun!", sagen Piero Gatti, Cesare Paolini und Franco Teodoro. Der Vorzug von Sacco ist jedenfalls beweglich und anpassungsfähig zu sein, da er keine feste Struktur mit richitigem "Skelett" hat, formt er sich so, wie der Draufsitzende es will.

"Er ist" - sagen die drei Sacco-Männer weiters - "ein Gegenstand zum Entspannen, zum Dösen. Man sitzt zusammengekauert wie ein Baby im Mutterleib, erdnah. Und weil der Sacco nur ein Drittel von einem Kubikmeter einnimmt, kann man ihn ins Auto laden und überall hinbringen auf eine Wiese, zum lesen, Liebe machen, usw." Der Sacco entstand in einer Zeit (1968) als viele Designer vom Konventionellen wegstrebten. Ein Jahr vorher war zum Beispiel ein aufblasbarer Kunststoffsessel aufgetaucht. Gatti-Paolini-Teodoro, die an einen sacco con grani, einen Sack voller Körner dachten, machten ihr Modell zuerst aus transparenten Material, mit geschweißten Nähten.

Aber dieser Prototyp war nicht dicht und die Kügelchen entschwebten überallhin. Zusammen mit Aurelio Zanotta, einem Hersteller mit Spürnase, Beharrlichkeit und Sinn fürs Neue, experimentierten sie weiter, bis das Endprodukt schließlich gelungen war. Letztlich entschied man sich als Füllmaterial für Styroporkügelchen. Zur Messe nach Paris fuhr Zanotta mit einigen Überzügen und vielen Säckchen voller Kügelchen. Er wollte sie erst an Ort und Stelle füllen und erregte damals beim Zoll gebührendes Aufsehen. Nicht nur beim Zoll. Auf der Messe ärgerte sich Zanotta über einen halb schockierten, halb faszinierten Kunden derart, dass er ihm einen Sacco schenkte. Und zufrieden war er erst, als Ettore Sottsass vorbeikam und ihn voller Entzücken umarmte. Der Original-Sacco wird ohne Unterbrechung von Zanotta hergestellt, ist mittlerweile eine Designikone geworden und hat unangefochten alle Kopien überlebt.

Anlässlich des 40. Geburtstages im Jahr 2008 wurde der Sacco mit neuen Stoffüberzügen sowie in einer Outdoor-Version auf den Markt gebracht. Der populärste Überzug ist aber nachwievor das pflegeleichte Kunstleder Volo, das das langjährige Vorgängermaterial Naipelle abgelöst hat. Ein Tipp zum Schluss: Es liegt in der Natur der Sache, dass sich mit der Zeit die Styroporkügelchen im Sacco zusammendrücken und er dadurch etwas an Volumen verliert. Damit der Sacco wieder die gewohnte Fülle bekommt, gibt es eine 1kg-Nachfüllpackung.

© copyright prodomoWien/Hersteller, Autor: Werner Backhausen