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Mario Terzic "terza natura"

Präsentation der dritten prodomoEdition, nummeriert und signiert - von 3. bis 13. Juni 2015


Was im November 2014 bei prodomoWindows mit Peter Weibels "mobile home" begann, gefolgt von Heinz Franks "Sitz doch Seele" im Februar 2015 fand im Juni seine Fortsetzung: Das nächste prodomoPopUp zeigte anlässlich des Jubiläums 150 Jahre Ringstraße das Landschaftsdesign-Projekt "terza natura" von Mario Terzic. Mit dem Abriss der Befestigungsanlagen um das Stadtzentrum von Wien fand 1857 ein Wettbewerb zur Gestaltung des entstandenen Freiraums statt. Ein Landschaftsdesign-Konzept wurde damit zur Grundlage für das Gesamtkunstwerk Wiener Ringstraße.

Auf Basis der klassischen Dreiteilung der Natur - Wildnis / Agrikultur / Gartenkunst - stellt Mario Terzic seine Vision von der Entwicklung der Ringstraße zur Diskussion. Gezeigt werden 6 Projektzeichnungen für Maria Theresienplatz, Heldenplatz, Universitätsring, Burgring, Luegerplatz und Deutschmeisterplatz. Die Veranstaltungsserie prodomoPopUp spannt jeweils auch einen Bogen zu Veranstaltungen und Ausstellungen der 1980er Jahre. Im November 1988 wurde im damaligen Loft von prodomoWien in der Flachgasse "Pronto Verdi", eine Kassettenoper in 5 Gängen, von Mario Terzic aufgeführt. Von 3. bis 13. Juni waren in der Wiener Naglergasse ebenfalls Relikte und Fotos dieser Verdi-Hitparade in essbaren Bühnenbildern zu besichtigen.


TERZA NATURA UND DIE WILDEN KERLE VOM RING

In seinem berühmten Kinderbuch "Where the Wild Things Are" entwirft Maurice Sendak die „Wildnis“ als einen Phantasie- oder Traumort, zu dem der kleine Max mit einem Segelboot durch die Nacht reist. Dort, in einer Urwald-ähnlichen Umgebung, trifft er auf die "wilden Kerle", die er mit einem "Zaubertrick" zähmt: ein starrender Blick in ihre gelben Augen – ohne zu zwinkern – macht sie zu gezügelten Spielgesellen. Es dauert allerdings nicht lange und die Wirklichkeit holt den Buben ein; Heimweh und Hunger führen ihn zurück in sein Kinderzimmer. Die „wahre“ Wildnis bleibt in der Realität unerreicht, sie ist ein Wunsch, eine Vorstellung, in die man für Augenblicke oder eine Nacht entfliehen kann – wird sie erblickt, ist sie nicht mehr.

Ähnlich "unschaubar" definiert auch Mario Terzic die Wildnis für sein Projekt "terza natura", das von 3. bis 13. Juni 2015 im nunmehr dritten PopUp bei prodomoWindows präsentiert wird. Sechs leuchtstarke Farbstiftzeichnungen geben Ausblicke auf eine runderneuerte Wiener Ringstraße, an der auch der Wildnis und ihrer einstigen Pioniere gedacht wird. Passend zum heurigen Jubiläum der Ringstraße geht Terzic in das Jahr 1858 zurück, in dem durch den Abriss der Befestigungsanlagen zusammen mit den bestehenden Grünflächen des Glacis Freiflächen von gewaltiger Ausdehnung zur Verfügung standen, zu deren Gestaltung – "Verschönerung" und "Regulirung" – Kaiser Franz Joseph im Rahmen eines Wettbewerbs lud.

Heute, 150 Jahre nach Eröffnung der Prachtstraße, verlangen laut Terzic die massiven Veränderungen – die Probleme von Individual- und Massenverkehr, die neuen Ansprüche an den öffentlichen Raum und ein verändertes Naturbewusstsein – eine angemessene Neuordnung und Repräsentation, doch: "Verkehrsplaner und Bürokraten allein sind nicht in der Lage, diese Aufgabe zu lösen, deren Kern eine künstlerische Herausforderung ist. Was ist schon die Highline in New York? Oder gar die Krämermeile Mahü! Die Öko-Stadt der Gegenwart braucht eine großzügige Geste als echten demokratischen Luxus!" Und damit heißt es zunächst einmal: Autos weg und Raum her, denn die passende Bezeichnung für den 70-jährigen Künstler sei nicht "Landschaftsarchitekt", sondern "placemaker".

Terzics künstlerischer Ansatz führt ihn zurück in die philosophische Antike mit der Unterteilung in göttliche und menschliche Natur, letztere in Form von Ackerbau, zu denen sich in der Renaissance eine Art "Vermittlerin" reiht: die Gartenkunst. Die Triade "terza natura" umfasst also die Vorstellung von drei Naturen: Wildnis, Agrikultur und Gartenkunst. Ausgehend von diesem Konzept ordnet Terzic die "Freifläche" der Ringstraße neu und begibt sich auf die Suche nach den drei Naturformen. In Referenz an die Gartenkunst fordert er die Restaurierung der bestehenden historischen Gärten. Die Autofahrbahnen hingegen lässt Terzic verschwinden, um einen großen botanischen Garten der heimischen Nahrungspflanzen anzulegen: Weizenfelder, Mais und blühende Sonnenblumen – statt Blech und Benzin – bringen die menschlichen Nahrungsquellen ganz unmittelbar ins Zentrum der Stadt.

Der Wildnis schließlich errichtet Terzic, wie er selbst sagt, einen "Gedenkraum". Diese ursprünglich als göttliche Natur gedachte "erste Natur" ist auf der Erde heutzutage kaum mehr zu finden, zumal sie auch dem Paradoxon unterliegt, das Sendak so treffend seinen kleinen Helden durchleben lässt: Wird sie geschaut, ist sie nicht mehr. Folgerichtig stellt Terzic Verweise her, schafft Repräsentationen und ortet sie an den bestehenden Denkmälern der Wiener Ringstraße, die fortan an die "Pioniere der Wildnis" – jene Entdecker und Zerstörer – erinnern sollen. So wird aus dem Wiener Bürgermeister Karl Lueger der Polarforscher Gottlieb von Bellinghausen, aus Prinz Eugen der Paläontologe Othniel Charles Marsh, Protagonist der frühen Dinosaurierforschung und nicht weniger "kriegerisch" als sein Alter Ego Prinz Eugen: Legendär ist der sogenannte Bone-War, eine langjährige Fehde mit seinem Knochenforscher-Kollegen Edward Drinker Cope. Auch für ihn findet Terzic das passende Pendant: das Reiterstandbild von Erzherzog Carl, der – so die Inschrift – "heldenmuthige Führer der Heere Österreichs".

Mit gekonntem künstlerischen Augenzwinkern, einem hohen Maß an Naturbewusstsein und großem Kulturverständnis verwandelt Mario Terzic die Ringstraße in eine bunte und abwechslungsreiche Stadtlandschaft, in der Traktoren neben Radfahrern ihre Runden ziehen, wo man sich zum Entspannen in einen der historischen Parks zurückzieht, um nicht zuletzt kurz bei Charles Darwin oder Alexander von Humboldt vorbeizuschauen. Terzic, Initiator und Gründer des Studiums "Landschaftsdesign" an der Universität für angewandte Kunst, seines Zeichens "placemaker", ebnet mit "terza natura" einen Weg zur Vermittlung zwischen historischem Erbe und aktueller Verantwortung, macht Platz für Pflanzen, Mensch und Nahrung und schafft Raum für den Ort, "where the wild things are".

Lisa Wögenstein für prodomoWien, Mai 2015


prodomoPopUp: 6 AUSLAGEN – 6 KUNSTWERKE. DIE BEWEGGRÜNDE.

Die aktuellen und zukünftig regelmäßig stattfindenden prodomoPopUp’s knüpfen an die viel beachtete Ausstellungsreihe auf dem Gebiet Architektur, Kunst und Design aus den 80er Jahren an. Zwischen 1985 und 1994 präsentierte Peter Teichgräber, unter der künstlerischen Leitung und Kuratierung von Loys Egg, im damaligen prodomoLoft in der Flachgasse insgesamt 16 Werkschauen. Rückblickend gesehen stufen Experten diese Kulturarbeit als bedeutend für diese Zeit ein und bewerten die "Sammlung prodomoWien, Peter Teichgräber" mit den vielen noch vorhandenen Exponaten aus dieser Ausstellungstätigkeit als wichtiges, historisches Zeitdokument. Die Veranstaltungsreihe präsentierte Persönlichkeiten wie Alessandro Mendini, Heinz Frank, Jürgen Claus, Stiletto, die Gruppen Rastlos und Pentagon, Jasper Morrison, Massimo Iosa Ghini, Andreas Brandolini, Milan Knizak, Helmut Palla, Paul Etienne Lincoln sowie Mario Terzic. Den "Schlusspunkt" fand die Serie 1994 mit Peter Weibel. Zu jeder Ausstellung gab es von den jeweiligen Künstlern bzw. Designern mitgestaltete, großformatige Ausstellungskataloge.

Wie einst fungiert prodomoWien auch heute als Impulsgeber, ist Bühne und Schaufenster zugleich. Die Künstler, die bereits in den 80er Jahren bei prodomo ausstellten, sind eingeladen, eine limitierte Kleinserie zu entwerfen. Jede Serie ist mit sechs Stück begrenzt und wird in den sechs Schaufenstern von prodomoWindows in der Naglergasse für die Dauer von rund 10 Tagen ausgestellt. Die Kunstwerke sind nummeriert und signiert und können exklusiv bei prodomoWindows gekauft werden.

"Wir sind in der privilegierten Lage mit Produkten unsere Geschäfte machen zu dürfen, die direkter Bestandteil der jeweiligen Einrichtungskultur auf höchstem Designniveau sind. Für uns zählen die Grundwerte Haltung, Qualität, Kreativität, Professionalität, Intelligenz und Empathie", so Peter Teichgräber, Gründer und Mastermind von prodomo. "Ergänzend zu unserem Alltagsgeschäft macht es einfach Spaß andere Wege zu gehen und gemeinsam mit Künstlern, Designern und Architekten etwas Eigenständiges zu verwirklichen und Ihnen dabei völlige künstlerische Freiheit zu ermöglichen. So haben wir es bereits in den 80ern im prodomoLoft in der Flachgasse gehalten und das behalten wir auch jetzt bei den prodomoPopUp´s bei."

Werner Backhausen, seit über 14 Jahren bei prodomo verantwortlich für Vertrieb & Marketing: "Da ich persönlich die Ära der Ausstellungsreihe zwischen 1985 und 1994 nicht miterlebte, ist es für mich ein besonderes Anliegen gemeinsam mit Herrn Teichgräber und den Künstlern von damals diesen Teil der Unternehmensgeschichte aufzuarbeiten und zugleich Neues mit ihnen zu gestalten. Ein weiteres Ziel ist es, auch den jüngeren Generationen die Wurzeln von prodomo näher zu bringen, damit unsere heutigen Aktivitäten und Einstellungen besser verstanden werden. Außerdem passt bei diesem Projekt auch der bekannte Spruch: Tradition ist nicht die Anbetung von Asche, sondern die Weitergabe von Feuer!"


ÜBER MARIO TERZIC

1945 geboren in Feldkirch, Österreich, französische Besatzungszone
1968 Akademie für angewandte Kunst Wien, Industrial Design Diplom
1972 und 74 Galerie nächst St. Stephan, Wien
1975 und 77 Galerie Appel & Fertsch, Frankfurt
1982 Reise „Pompeji retour“, Württembergischer Kunstverein, Stuttgart
1984 Reise "AutoMobil", Badischer Kunstverein, Karlsruhe
1986 "Hotel Prodomo", prodomoWien
1988 Kassettenoper "Pronto Verdi", prodomoWien
1991 Hochschule für angewandte Kunst Wien, Professor Meisterklasse Grafik

1992 - 1999 Experimentalgarten für Studenten "Rasumofskygarten"
1998 - 2003 Forschungsgruppe "Trinidad" - Kunst/Garten/Agrikultur
2000 - 2013 Universität für angewandte Kunst Wien, Professor für Landschaftsdesign
2001 - 2013 Kooperation mit dem Botanischen Garten der Universität Wien

Seit 1998 mit verschiedenen Arbeitsgruppen der "Angewandten" zahlreiche Studien und Projekte zu:

André le Notre / Harrachpark, Niederösterreich / Schloss Gesmolder Garten, Niedersachsen / Osterley Park, The National Trust, London / Olympiapark, München / Berg Isel, Innsbruck / Circuit Automobile, Le Mans / Lenin-Werft, Gdansk / Graz-Reininghaus / Lust-Au, Linz 2009.

2009 Bau der "Arche aus lebenden Bäumen", Österreichischer Skulpturenpark, Graz, gärtnerische Betreuung: Alfred Zenz und Jasemin Linhart.

2011 / 2014 Gastprofessor: Institut für Environmental Design, Tsinghua Universität, Beijing und am Institut für Public Art, CAFA - Central Academy of Fine Arts, Beijing.

Ausstellungen: "Landschaftsdesign" (Auswahl): 1998 AZ Wien, (Katalog) / 2001 Osterley Park House, London, (Katalog) / 2012 Visual Art Centre, Tsinghua Universität, Beijing, (Katalog).


RÜCKBLICK

Mario Terzic über sein "Pronto Verdi", veranstaltet von 23. bis 27. November 1988 im Loft von prodomoWien, Flachgasse 35-37, 1150 Wien

Musikkonserven werden mit einem mehrgängigen Buffet und besonderen Tafeldekorationen als Oper inszeniert. Auf fahrbaren Dekorationen befindet sich inmitten gemalter ebenso wie essbarer Dekorationen der Kassettenrecorder, der populäre Ausschnitte aus Opern Giuseppe Verdis wiedergibt. Ein Tisch nach dem anderen wird unter die Gäste geschoben, abgehört und abgegessen. Ein Tisch = ein Akt = eine Speise dauert ungefähr 20 Minuten – Gesamtdauer etwa 1,5 Stunden.

Mein Kassettenrecorder ist von der anonymen Eleganz eines Volksmercedes oder Billigcomputers. Und dass er auch noch beim Seufzen von Verdis Violetta gleich aussieht wie beim Heulen Gianna Nanninis, das nenne ich arm. Der Apparat öffnet mir zwar die Konserve - durchwegs erste Qualität - doch die Augen laufen ins Leere. Warum sollte er aber nicht zumindest ebenso prächtig ausgestattet sein wie der Flipper im nächsten Caféhaus? Ich denke an Inszenierungen von der Play- und Stop-Leichtigkeit der Unterhaltungselektronik im Gegensatz zum grauslichen 19.-Jahrhundert -Pathos der Produktionen des Kultursauriers Oper. Callas und Karajan erscheinen auf einmal nicht mehr als dröhnende Helden in mystisch parfümiertem Nebel, sondern als Mitarbeiter einer Industrie, die Ohrengenussmittel herstellt. Den Umgang mit ihren Produkten gestalte ich einfach wie den Besuch einer Bar.

Eintritt - "guten Abend", "la donna è mobile", einige Licht- und Farbflecken, „viva Verdi, Italia, Parmiggiano und Espresso“, „ciao“, Ende - wir danken den städtischen E-Werken. Einstweilen sitzen die anderen Verdianer auf Unbequemplüsch in ihrem Kulturinstitut, die Krawatte enger, Juwelen etwas weiter um den Hals, mit der Ernsthaftigkeit als ginge es um??? Oper kann man heute nur mehr von außen als solche wahrnehmen: das Intendantenkarussell, Gewerkschaftspossen um Probezeiten, die Materialschlacht auf der Bühne, Platten- und Video-Marketing, die Parlamentsdebatten um das defizitäre Staatstheater, die Villen, Liebesaffären, alten und neuen Yachten des Maestros,…

Wie viele gesellschaftliche Formen hat die Oper in ihrer kurzen Geschichte schon gesehen. Veritable Feste, bei denen man nur den großen Arien wirklich zuhörte, natürlich bei Essen und Trinken. Noch zu Verdis Zeiten spielte der Dirigent eine so untergeordnete Rolle, dass er am Plakat gar nicht genannt wurde - irgendjemand war in Italien immer so talentiert, um ein Orchester in Gang halten zu können.

Wie heute ja auch Viele mit Leichtigkeit den Kassettenrecorder bedienen. Azurweit über allen Ritualen klingen Verdis Melodien, die berührenden Arien der Liebenden, Abschied Nehmenden, Sterbenden und die mitreißende Macht seiner Chöre – daraus inszeniere ich meine eigene Qualität Oper: PRONTO VERDI. Wichtig erscheint mir für meine Kassettenoper bei prodomo die Beschränkung der Teilnehmerzahl auf 80 Personen pro Aufführung. Sie ermöglicht allen die ganze Anteilnahme – sehen, hören, schmecken. Alle sind auf der "Bühne", sind Teil der Oper.

Mario Terzic, November 1988


Peter Teichgräber: Warum „Pronto Verdi“ in der prodomo?

Mit Mario Terzic haben wir schon 1986 eine schöne Ausstellung - „Hotel prodomo“ - in unserem Haus gemacht und wir hatten damals schon unheimlich viel Freude daran. Wir, das sind unsere Mitarbeiter und Freunde. Unser Geld verdienen wir als Kaufleute mit dem Handel sogenannter schöner Dinge oder, wie man heute sagt, mit gutem Design. Diese Produkte interessieren nur einen relativ kleinen Käuferkreis: Menschen, die eine ausgeprägte Beziehung zu unserem gegenwärtigen kulturellen Umfeld haben und ebenso wie wir als Vermittler bewusst mit diesen Objekten und Werten leben. Sie schenken uns Befriedigung und Freude, darüber hinaus zugleich auch das Bedürfnis, uns mit den Menschen und ihren Ideen auseinanderzusetzen, die als Künstler und Architekten diese Produkte entwerfen.

Deshalb haben wir uns ein Haus als Arbeitsraum gewählt, das Platz und Atmosphäre für Veranstaltungen und Ausstellungen bietet. Eine alte Fabrik, erbaut um die Jahrhundertwende. In regelmäßigen Abständen laden wir nun Künstler ein, sich dieser Räume zu bedienen und sie nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Die Auswahl der Künstler - wie zum Beispiel Alessandro Mendini, Heinz Frank oder Jasper Morrison - steht in direktem Zusammenhang mit unserer täglichen Arbeit. Wir dokumentieren diese Aktivitäten in einer Katalogreihe. Organisation und Pressearbeit müssen internationalen Ansprüchen genügen. Dies alles kostet natürlich verhältnismäßig viel Geld und oft stellt man uns die Frage nach dem wirtschaftlichen Nutzen.

Worauf wir von Beginn unserer Ausstellungstätigkeit an gesetzt hatten, nach nunmehr sieben Veranstaltungen hat es sich bestätigt: Die glaubwürdige Verbindung unser kommerziellen Tätigkeit mit der sich immer mehr verselbständigenden Kulturarbeit. Jetzt gibt es in unserem Haus die neue Abteilung Kultur. War vorerst nur die verstärkende Motivation und Identifikation unserer Mitarbeiter spürbar, strahlt heute diese kulturelle Identität weit in unseren Kundenkreis aus. Man billigt uns wesentlich weitreichendere Kompetenzen zu, und Kompetenz ist langfristig für den Kunden das wichtigste Motiv seiner Kaufentscheidung.

Bei „Pronto Verdi“ haben wir den Rahmen unserer bisherigen Veranstaltungen total gesprengt. Das Umfunktionieren unseres Hauses in einen Theaterbetrieb mitsamt professioneller geführter Küche und vollem Service - schließlich bekamen pro Abend achtzig Gäste ein fünfgängiges italienisches Essen serviert - hat uns allen viel mehr abverlangt als man, auch bei großzügigster Auslegung, von der Kooperationsbereitschaft der Mitarbeiter hätte erwarten dürfen. Selbst am fünften Abend waren Begeisterung und Freude hinter den Kulissen noch ebenso stark spürbar wie die Hochstimmung im Zuschauerraum. So war „Pronto Verdi“ für alle Beteiligten im wahrsten Sinn des Wortes ein Fest. Es hat die Richtigkeit unseres Weges bestätigt, dass wir auch in Zukunft kein Risiko scheuen werden, um die Kunst als Vermittlerin zwischen uns und den Kunden einzusetzen.

Peter Teichgräber, Dezember 1988


Die Aktualität des von Mario Terzic gewählten Themas für sein prodomoPopUp wurde durch den Besuch von zwei Persönlichkeiten unterstrichen. Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou bekam eine Sonderführung genauso wie die Geschäftsführerin der Österreich Werbung, Dr. Petra Stolba.

Frau Vassilakou hatte kurz vor "terza natura" - ebenfalss als Diskussionsanstoß - Studien von zwei internationalen Architekturbüros veröffentlicht, wie man die Ringstraße zeitgemäß sowie zukunftsorientiert neu gestalten könnte. Die Österreich Werbung hat wiederum aktuell das Projekt "nature reloaded" auf der Agenda, wo es daraum geht die vielfältige Natur Österreichs zu bewerben und eine Brücke zur Kunst zu bauen.

© copyright prodomoWien/Hersteller, Autor: Werner Backhausen